Kommunalpolitiker mit langem Atem
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  Bensheim. Er ist der am längsten amtierende Partei- und Fraktionsvorsitzende in Bensheim: Holger Steinert lenkt seit 20 Jahren die Geschicke des FDP-Ortsverbands. Außerdem führt er seit 2001 die Fraktion der Liberalen und ist stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher.

Ehrenamtlich engagiert sich der 55-Jährige allerdings schon seit 1986. Damals wurde er Mitglied in der FDP, für die er auf kommunaler Ebene sowie im Kreis und im Land aktiv war und ist. Steinert gehörte zum Gründungsvorstand der ersten Liberalen Initiative Mittelstand Hessen, war elf Jahre im Vorstand des Bezirksverbandes Südhessen und kandidierte bei diversen Wahlen.

In zwei Jahrzehnten an der Spitze einer Partei muss man nicht nur Durchsetzungskraft und Leidenschaft, sondern auch eine gewisse Leidensfähigkeit mitbringen. Als Tiefpunkt seiner kommunalpolitischen Karriere bezeichnet er das schlechte Ergebnis bei der Kommunalwahl 2011, als die FDP in Bensheim nur auf vier Prozent kam.

"Das hatten wir nach meiner festen Überzeugung vor Ort ganz sicher nicht verdient. Es hat mir für alle meine Aktiven und Kandidaten sehr leidgetan. Wir wurden für das schlechte Erscheinungsbild der Partei auf Bundes- und Landesebene mit abgestraft und litten zudem unter der Schieflage im Meinungsbild der Bevölkerung nach Fukushima", blickt der Diplom-Betriebswirt zurück. Seitdem verfügt die FDP im Stadtparlament nur noch über zwei Sitze.

Lange Durststrecke

Den politischen und persönlichen Höhepunkt seines Politikerlebens erlebte er zehn Jahre zuvor. Beim Urnengang 2001 gelang es Steinert, nach fast 29 Jahren Abwesenheit die Liberalen mit 5,3 Prozent wieder ins Stadtparlament und damit auf die politische Bühne zurückzuführen. Darüber habe er sich mehr gefreut als über die 7,1 Prozent, die fünf Jahre später eingefahren wurden. Auch wenn der gebürtige Krefelder in vielen Vereinen Mitglied ist - von der Freiwilligen Feuerwehr über die Grieseler Rote Funken bis hin zum Förderverein Hilfen für Wohnungslose - genießt die Kommunalpolitik höchste Priorität.

Holger Steinert wuchs in Gernsheim und Biblis auf, hat aber in Bensheim seit 1982 seine Heimat gefunden. Für das Wohl der Hessentagsstadt setzt er sich gerne ein und scheut kaum einen Konflikt, wenn sich Entwicklungen in eine - seiner Meinung nach - falsche Richtung bewegen. Für ihn sei es deshalb inhaltlich befriedigend, dass die FDP trotz Oppositionsrolle einiges habe bewegen können.

Dazu zählt er den Weihnachtsmarkt, der in seiner jetzigen Form auf einen Antrag der Liberalen zurückgegangen sei, ebenso wie die Einführung eines Parkleitsystems, die Umwandlung der Rodensteinstraße (parallel zur B 3) in einen verkehrsberuhigten Bereich oder die Sanierung des Goethe-Brunnens zwischen Auerbach und Hochstädten.

"Das ganze Ausmaß der sogenannte Architektenaffäre des Bürgermeisters kam nur deshalb ans Licht, weil die FDP-Fraktion hierzu mehrere Anfragen stellte", ist sich Steinert sicher. Ebenfalls durch hartnäckige Anfragen an die Verwaltung sei der wieder zweckgemäße Gebrauch eines Dienstwagens des hauptamtlichen Magistrats herbeigeführt worden.

Die eigene Erfolgsliste von Holger Steinert ist wesentlich länger, umfasst zahlreiche Anfragen, Anträge und Initiativen, die in 13 Jahren eingebracht und angestoßen wurden. 2016 endet die aktuelle Legislaturperiode. Bis dahin - und vermutlich darüber hinaus - will der 55-Jährige ein kritischer und konstruktiver Begleiter der Bensheimer Stadtentwicklung bleiben. dr

© Bergsträßer Anzeiger, Donnerstag, 06.03.2014

 
 
 
 
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