FDP stellt keinen eigenen Kandidaten
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  Bensheim. Die FDP wird keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten stellen. Das teilte Vorsitzender Holger Steinert (Foto) mit. Der Vorstand habe sich im Rahmen einer Klausurtagung gegen die Aufstellung eines eigenen Bewerbers um den Chefsessel im Rathaus entschieden.

"Die Freien Demokraten werden die Bürgermeisterwahl und den Wahlkampf der Bewerber anderer Parteien aber konstruktiv-kritisch begleiten", heißt es in der Mitteilung. Dabei gehe es nicht nur um die persönliche Darstellung der Kandidaten, sondern auch um deren Vorstellungen zu zentralen Themen.

Gesundung der Finanzen

Dazu gehört für die FDP die "dringend notwendige Gesundung der städtischen Finanzen" und dabei das Verhältnis echter Einsparungen gegenüber weiterer Steuer- und Abgabenerhöhungen ebenso wie eine "notwendige Restrukturierung der städtischen Verwaltung und der darin maßgeblichen Zuständigkeiten und Arbeitsteilungen".

Eine weitere wesentliche Rolle spiele die städtische Entwicklung hinsichtlich der großen Bauvorhaben sowie der Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten im Grüngürtel Bensheims. Der Umgang der Verwaltungsspitze mit den ehrenamtlichen Stadtverordneten - unabhängig, von welcher Fraktion sie kommen - wird ebenfalls ein Punkt sein, der für die FDP nach eigenem Bekunden von Bedeutung ist.

Bisher nur Richter im Rennen

Bisher gestaltet sich das Kandidatenaufkommen für die Bürgermeisterwahl in Bensheim übersichtlich. Die CDU wird bekanntlich Rolf Richter ins Rennen schicken. Der Vize-Regierungspräsident wird sich am 21. Januar in einer Fraktions- und Vorstandssitzung bei den Liberalen vorstellen.

Richter selbst fehlt allerdings noch das Votum der CDU-Mitgliederversammlung. Bisher hat ihn nur der Vorstand nominiert. Die Zustimmung der Bensheimer Basis gilt aber als sicher. Wann die Mitglieder zusammenkommen, steht zumindest öffentlich bisher nicht fest. Unter Zugzwang stehen die Christdemokraten allerdings nicht. Nach wie vor unklar ist, wann die Abstimmung über den neuen Rathauschef über die Bühne geht. Vom Datum der Europawahl (25. Mai) bis zu einem Termin im Juli vor den Sommerferien ist einiges denkbar.

Herrmann in der Wetterau

Ein Faktor könnte dabei das Abschneiden das amtierenden Bürgermeisters Thorsten Herrmann spielen. Der tritt am 19. Januar im Wetteraukreis als Landratskandidat für die CDU an und will Amtsinhaber Joachim Arnold (SPD) beerben. Gelingt das Vorhaben, tritt der 49-Jährige dort nach dem Hessentag am 1. Juli seinen Dienst an. Sollte Herrmann scheitern, bleibt er den Bensheimern bis Mitte Dezember zum regulären Ende seiner Amtszeit erhalten. Erst danach würde sein Nachfolger ins Rathaus einziehen.

Nachdem die FDP als erste Oppositionspartei eine klare Aussage getroffen hat, sollten in den nächsten Wochen weitere Entscheidungen fallen. Die Freien Wähler hatten bereits im Sommer angedeutet, dass sie nicht auf Biegen und Brechen einen eigenen Kandidaten stellen wollen. Dass die Bürger für Bensheim um ihren Frontmann Franz Apfel einen Bewerber ins Rennen schicken, scheint da schon wahrscheinlicher - wenngleich man noch nichts Konkretes gehört hat.

Die SPD als zweitgrößte Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung wird es sich sicherlich nicht nehmen lassen, einen Konkurrenten zu Rolf Richter aufzustellen - alles andere wäre eine Überraschung. Vor sechs Jahren trat Christine Klein, damals noch in den Reihen der Sozialdemokraten aktiv, gegen Thorsten Herrmann an und holte immerhin 39,5 Prozent.

GLB an Vertrag gebunden

Bleibt die Grüne Liste: Der Koalitionspartner der CDU wird sich wie bei den Wahlen 2006 und 2002 raushalten. Das ist vertraglich festgeschrieben und wird nach dem Verzicht von Thorsten Herrmann auf eine Fortsetzung in Bensheim von den Grünen nicht beanstandet werden.

Unterm Strich bedeutet das: Mehr als drei Kandidaten wird es vermutlich kaum geben - es sei denn, außerhalb der Parteienlandschaft findet sich ein unabhängiger Interessent.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 03.01.2014 von Redaktionsmitglied Dirk Rosenberger

 
 
 
 
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